Leichter Regen klopft gegen die Fensterscheibe – es ist 14:47 Uhr. Dienstag und ich habe die vierte Coaching-Session dieser Woche. Und zum vierten Mal sitzt mir eine Frau gegenüber, die im Karriere Coaching nach Antworten sucht – klug, erfahren, mit einer beeindruckenden Berufsbiografie. Und bei ihr stehen die Tränen in den Augen.
Nach einer Weile fällt ein Satz, der mir sehr vertraut ist.
„Eigentlich mache ich meinen Job gut. Aber irgendwie reicht es trotzdem nicht.“

Nicht immer mit genau diesen Worten. Aber fast immer mit derselben Botschaft. Mit dieser leisen, hartnäckigen Überzeugung, dass zwischen der eigenen Leistung und der eigenen Wahrnehmung eine Lücke liegt. Eine Lücke, die sich über Jahre in das Selbstbild eingegraben hat – wie ein feiner Riss im Fundament, den man lange übermalt, bis das Haus irgendwann beginnt, sich zu neigen.
Wer mit Frauen im beruflichen Kontext arbeitet, begegnet diesem Muster erstaunlich häufig. Genau deshalb beginnt Karriere Coaching für Frauen selten mit der Frage nach der nächsten Stelle oder der nächsten Beförderung. Viel häufiger beginnt es mit etwas anderem: mit dem Versuch zu verstehen, welche inneren Mechanismen im Hintergrund wirken.
Im Laufe der Jahre sind mir dabei immer wieder dieselben Dynamiken begegnet. Unterschiedliche Frauen, unterschiedliche Branchen – aber oft erstaunlich ähnliche Muster.
Wann Karriere Coaching für Frauen sinnvoll sein kann
Viele Frauen suchen nach Karriere Coaching, weil sie spüren, dass sich im Job etwas verändert hat – oft sehr leise und schleichend.
Manche merken, dass sie trotz guter Leistung nicht wirklich vorankommen. Andere erleben Konflikte im Team oder mit der Führungskraft. Wieder andere stellen fest, dass sie zwar erfolgreich sind, sich aber innerlich immer weniger mit ihrer Arbeit verbunden fühlen.
In vielen Fällen geht es dabei nicht sofort um eine Kündigung oder einen radikalen Neustart. Häufig geht es zunächst um etwas Grundsätzlicheres: zu verstehen, welche Muster das eigene Verhalten im Job prägen und welche Möglichkeiten es gibt, damit anders umzugehen.
Genau an diesem Punkt setzt mein Karriere Coaching für Frauen oft an.

Die fünf Muster, die ich im Karriere Coaching für Frauen immer wieder sehe
Diese Muster entstehen nicht aus Schwäche. Im Gegenteil: Sie entstehen oft aus Fähigkeiten, die Frauen im Berufsleben erfolgreich gemacht haben – Verantwortungsbewusstsein, Anpassungsfähigkeit, Loyalität und die Fähigkeit, komplexe Situationen zu moderieren.
Das Problem ist nur: Was einmal eine Stärke war, kann sich irgendwann auch gegen einen selbst richten.
Muster 1: Das 100-%-Syndrom
Nadia kommt zu mir mit einem Stapel Stellenausschreibungen. Gute Positionen, spannende Aufgaben, Unternehmen mit internationalem Umfeld. Alles Stellen, für die sie objektiv sehr gut qualifiziert wäre.
Und trotzdem hat sie sich auf keine davon beworben.
Als ich sie frage, warum, zeigt sie auf eine Passage in der Anzeige. Ein spezielles Tool, das sie noch nie benutzt hat.
„Ich erfülle ja nicht alle Anforderungen“, sagt sie.
Ein Tool. Alle anderen Kriterien erfüllt sie locker.
Im Karriere Coaching für Frauen begegnet mir dieses Muster regelmässig. Viele Frauen prüfen eine Position sehr gründlich – und entscheiden sich gegen eine Bewerbung, sobald sie eine Lücke entdecken.
Dieses Verhalten ist gut dokumentiert. Eine Untersuchung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung zeigt, dass Frauen sich deutlich seltener auf Positionen bewerben, wenn sie nicht alle Anforderungen erfüllen, während Männer häufiger auch mit unvollständigem Profil eine Bewerbung wagen (Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), Kurzbericht 2023).
Männer gehen oft anders vor: Sie lesen dieselbe Anzeige und fragen sich eher, ob sie den Job grundsätzlich machen könnten.
Der Unterschied liegt selten in der Kompetenz. Häufig liegt er im Anspruch, erst vollkommen sicher sein zu müssen, bevor man sichtbar wird.

Muster 2: Die Friedensschlichterin
Lea beschreibt sich selbst als ausgleichend. Ihre Kolleginnen nennen sie die Vernünftige. Ihr Vorgesetzter weiss, dass er sie anrufen kann, wenn zwei Abteilungen gerade auf Kollisionskurs sind.
Was Lea erst später erzählt: Sie schlichtet schon sehr lange. Schon immer zwischen Mutter und Schwester. Heute zwischen Team, Führung und Kunden.
Als ich sie frage, wie es ihr selbst damit geht, entsteht eine kurze Pause.
„Darüber habe ich eigentlich noch nie nachgedacht.“
Die Friedensschlichterin ist oft diejenige, die Konflikte entschärft und Beziehungen stabil hält. Gleichzeitig ist sie häufig auch die Person, deren eigene Bedürfnisse am konsequentesten übergangen werden – nicht nur unbedingt von anderen, sondern auch von ihr selbst.
Weil Vermitteln gelernt ist. Und weil man dabei so beschäftigt ist, für Ausgleich zu sorgen, dass man die eigene Position irgendwann aus dem Blick verliert.

Muster 3: Der Körper als Frühwarnsystem
Daniela sagt zu Beginn des Gesprächs, sie sei im Moment einfach etwas dünnhäutig. Dann erzählt sie von Rückenschmerzen, von schlechtem Schlaf und davon, dass sie eigentlich mehr Bewegung machen wollte – aber in ihrem Alltag kaum noch dazu kommt.
Eine andere Klientin beschreibt etwas Ähnliches, nur anders: Sie fühlt sich seit Wochen seltsam distanziert. Nicht traurig, nicht wütend, sondern eher wie innerlich auf leiser gestellt.
Solche Geschichten höre ich im Karriere Coaching für Frauen häufig. Nicht immer handelt es sich bereits um ein Burnout. Aber sehr oft ist es der Moment davor – der Punkt, an dem der Körper beginnt, Signale zu senden, lange bevor der Kopf bereit ist, sie ernst zu nehmen. (Bundesamt für Statistik 2022)
Viele Frauen berichten in diesem Zusammenhang auch von schwierigen Führungssituationen oder dauerhaftem Druck im Arbeitsumfeld. Über solche Dynamiken habe ich auch schon ausführlicher in meinem Artikel über toxische Führung geschrieben.
Muster 4: Die unsichtbaren Stärken
Vera hat mehr als zwanzig Jahre Erfahrung im internationalen Banking. Sie hat Produkte in über fünfzig Märkten eingeführt und Teams auf mehreren Kontinenten aufgebaut.
Als ich sie frage, was ihre grössten Stärken sind, zögert sie.
Nach einer Weile sagt sie: „Ich bin eigentlich ganz gut im Netzwerken. Und ich lerne schnell.“
Was hier sichtbar wird, ist kein falsches Understatement, sondern ein blinder Fleck. Viele Frauen haben über Jahre Leistungen erbracht, ohne sie bewusst zu benennen oder strategisch zu nutzen.
Ein zentraler Teil von Karriere Coaching besteht deshalb darin, genau hinzuschauen: Welche Erfahrungen sind tatsächlich vorhanden? Welche Kompetenzen stecken dahinter? Und wie lassen sie sich klar formulieren?
Oft liegt die Antwort längst auf dem Tisch. Sie wurde nur nie ausgesprochen.

Muster 5: Die Wartende
Es gibt ein Muster, über das ich lange nicht sprechen wollte, vielleicht weil es besonders verbreitet ist.
Es ist die Frau, die wartet.
Sie wartet auf die richtige Gelegenheit, bevor sie sich bewirbt. Sie wartet auf das nächste Projekt, bevor sie nach mehr Verantwortung fragt. Und sie wartet auf den Moment, in dem endlich jemand bestätigt, dass sie wirklich bereit ist.
Internationale Studien zeigen ein ähnliches Bild. Der Bericht Women in the Workplace von McKinsey und LeanIn.org zeigt, dass auf dem Weg zur ersten Führungsposition auf hundert beförderte Männer nur rund einundachtzig Frauen kommen (McKinsey 2025).
Im Karriere Coaching zeigt sich häufig, dass Frauen über Jahre Beweise für ihre Kompetenz sammeln – und trotzdem auf eine Erlaubnis hoffen, die in vielen Organisationen gar nicht aktiv vergeben wird.
Der entscheidende Wendepunkt entsteht oft dann, wenn diese Erwartung erstmals hinterfragt wird.
Welches dieser Karriere-Muster erkennst du bei dir?
Wenn du beim Lesen das Gefühl hattest, dass dir eines dieser Muster bekannt vorkommt, lohnt sich ein kurzer Moment der Selbstreflexion.
Du kannst dir zum Beispiel folgende Fragen stellen:
- Warte ich oft, bis ich mich zu hundert Prozent sicher fühle, bevor ich einen Schritt mache?
- Übernehme ich im Team häufig die Rolle der Vermittlerin oder Konfliktlöserin?
- Ignoriere ich körperliche Warnsignale, weil im Job gerade zu viel los ist?
- Fällt es mir schwer, meine eigenen Stärken klar zu benennen?
- Warte ich darauf, dass jemand meine Leistung erkennt, statt sie aktiv sichtbar zu machen?
Viele Frauen stellen fest, dass nicht nur eines dieser Muster zutrifft, sondern mehrere gleichzeitig.
Und genau an diesem Punkt beginnt häufig ein Coachingprozess: mit der Erkenntnis, dass die eigenen beruflichen Herausforderungen nicht nur äussere Ursachen haben, sondern auch mit inneren Dynamiken zusammenhängen können.
Was sich verändert, wenn diese Muster sichtbar werden
Die Veränderungen sind selten spektakulär. Es sind eher kleine Verschiebungen, die aber nachhaltig wirken.
Eine Frau bewirbt sich auf eine Stelle, obwohl sie nicht jede Anforderung erfüllt. Eine andere spricht in einem Meeting erstmals offen an, was sie wirklich denkt. Wieder eine andere beginnt, ihre eigenen Grenzen ernster zu nehmen.
Solche Schritte scheinen von aussen erstmal oft unspektakulär. Und doch verändern sie langfristig die Art, wie eine Frau in ihrem beruflichen Umfeld wahrgenommen wird – und wie sie selbst ihre Rolle versteht.
Und am Ende steht mehr Zufriedenheit und wieder Freude an der eigentlichen Arbeit – an der eigenen Passion.

Erkennst du dich wieder?
Wenn du beim Lesen gemerkt hast, dass eines dieser Muster auch in deinem Berufsleben eine Rolle spielt, kann ein Gespräch von aussen hilfreich sein.
In meinen Coaching-Gesprächen schauen wir gemeinsam darauf, welche Dynamiken gerade wirksam sind und welche nächsten Schritte für deine Situation sinnvoll sein könnten.
Wenn du möchtest, kannst du dir hier ein erstes Gespräch buchen. In dieser halben Stunde geht es nicht um schnelle Tipps, sondern darum, deine Situation in Ruhe anzuschauen und mögliche Perspektiven zu entwickeln.
Lieber hören als lesen?
In meinem Podcast „Sichtbar. STARK. Unverschämt.“ spreche ich regelmässig über diese und andere Muster – aus dem Coaching, aus dem Alltag und aus meiner eigenen Geschichte. Manchmal brutal ehrlich. Immer mit Herz.


