(Wenn der Jahresanfang plötzlich ehrlich wird.)
Neujahr. Du sitzt mit deinem Kaffee am Fenster, draussen ist es noch still, der Kalender neu, die Luft irgendwie klarer. Eigentlich müsstest du dich motiviert fühlen. Neustart. Neue Chancen. Neuer Schwung.
Und trotzdem ist da dieser Gedanke.
Nicht laut. Nicht dramatisch. Eher wie ein inneres Stirnrunzeln, das sich nicht mehr wegdrücken lässt:
Unzufrieden im Job – und du merkst plötzlich, wie sehr.
So wie bisher – will ich das wirklich noch?
Der Jahresanfang macht etwas mit uns. Er zieht keinen Schlussstrich unter das alte Jahr, aber er legt den Finger auf Dinge, die wir monatelang – manchmal jahrelang – übergangen haben. Im Funktionieren. Im Durchhalten. Im „Ist halt gerade viel.“
Plötzlich spürst du wieder, wie müde dich bestimmte Meetings machen. Wie oft du dich innerlich zusammenziehst, statt dich zu zeigen. Wie schwer sich Arbeit anfühlt – obwohl du sie eigentlich gut kannst.
Und genau da fangen viele Frauen an, ihren Job infrage zu stellen.
Und manchmal hat das Ganze einen sehr konkreten Namen: toxische Führung. Ein Chef oder eine Chefin, die Druck als Normalzustand betrachtet. Die dich klein hält, gegeneinander ausspielt, dich subtil ständig in Frage stellt – oder dir das Gefühl gibt, du müsstest dich noch mehr anpassen, um überhaupt „zu genügen“.
Das Fatale daran: Du denkst irgendwann, du seist das Problem. Dabei ist es oft das System. Oder eine Führungskraft, die Führung mit Kontrolle verwechselt.
Wenn du also gerade unzufrieden im Job bist, kann es gut sein, dass das kein „Stimmungstief“ ist – sondern ein ernstzunehmendes Signal.

Die stille Krise der Überbelasteten
Das sehen wir als Coaches jedes Jahr aufs Neue. Im Januar melden sich keine Frauen, die kopflos kündigen wollen. Es melden sich Frauen, die lange stark waren. Frauen, die Verantwortung tragen, zuverlässig sind, belastbar. Frauen, die irgendwann – oft überraschend für sich selbst – merken:
«Ich trage mehr, als mir guttut.»
Sie kommen nicht mit fertigen Antworten. Sie kommen mit Sätzen wie:
- „Ich weiss gar nicht genau, was falsch ist – aber richtig ist es nicht mehr.“
- „Ich funktioniere. Aber ich lebe nicht wirklich.“
- „Ich halte das aus. Aber ich will es nicht mehr müssen.“
Wenn du dich darin wiedererkennst: Du bist nicht allein. Und du bist definitiv nicht „undankbar“.
Viele Studien und Umfragen zeigen: Die Zufriedenheit im Job sinkt – und gleichzeitig wächst die Bereitschaft, beruflich etwas zu verändern. Oft ohne konkrete Pläne, eher als inneres „Es geht so nicht mehr weiter“.
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: In der Schweiz gaben in den letzten Jahren nur rund 54 % der Erwerbstätigen an, mit ihrem Job zufrieden zu sein – und die Tendenz ist rückläufig (swissinfo.ch). Gleichzeitig zeigen Studien, dass über die Hälfte der Beschäftigten offen für einen Jobwechsel ist, oft ohne konkrete Pläne oder klare Richtung (Robert Walters Arbeitsmarktstudie Schweiz).
Das ist kein individuelles Scheitern. Das ist ein strukturelles Phänomen, das besonders Frauen trifft.
Der Jahresanfang wirkt dabei wie ein Verstärker. Und er lädt uns ein, Bilanz zu ziehen – auch dort, wo wir es lieber lassen würden.

Der Überdruss-Reflex: Warum Neujahrsvorsätze schneller scheitern als geplant
Und dann passiert oft etwas sehr Typisches: Unzufriedenheit wird sofort übersetzt mit der einzigen Lösung – Ich muss hier weg.
Neues Jahr, neue Vorsätze, neue Idee. Psychologisch nachvollziehbar. Aber nicht immer hilfreich.
Die Verhaltenspsychologie zeigt uns etwas Spannendes: Viele Neujahrsvorsätze scheitern nicht am mangelnden Willen, sondern daran, dass sie aus Überdruss entstehen, nicht aus Klarheit.
Wer etwas verändern will, ohne zu verstehen, warum es weh tut, landet schnell wieder am selben Punkt – oder noch schlimmer: mit neuer Unzufriedenheit und dem Gefühl, es wieder falsch gemacht zu haben.
Im Job heisst das konkret:
Nicht jede Unzufriedenheit im Job ist ein Kündigungsgrund.
Manchmal ist nicht der Job das Problem. Manchmal ist es die Rolle, die du dir darin angewöhnt hast. Zu viel Anpassung. Zu viel Loyalität. Zu wenig Raum für deine eigene Stimme.
Viele Frauen haben jahrelang geliefert, vermittelt, ausgeglichen. Nicht, weil die Firma es so verlangt hat – sondern weil sie es konnten. Und weil „zuverlässig sein“ sich lange gut angefühlt hat.
Bis es nicht mehr so tut. Und genau an dieser Stelle lohnt es sich, kurz innezuhalten – bevor du vorschnell entscheidest.
Denn oft ist nicht die grosse Frage „kündigen oder bleiben?“ die richtige erste Frage.
Sondern: Was genau macht mich eigentlich so müde? Ist es Überlastung? Ist es der innere Anspruch? Ist es eine Rolle, in der ich mich selbst verliere? Oder vielleicht sogar toxische Führung?
Wenn du das für dich sortieren willst, ohne dich gleich in eine Entscheidung zu pressen, dann mach meinen kurzen Reality Check/Test.
Er hilft dir, deine Situation klarer einzuordnen – und zu erkennen, ob du „einfach nur erschöpft“ bist oder ob da Dynamiken wirken, die dich langfristig auslaugen.
Hier geht’s zum Toxische Führung?- Test.

Muss konkret etwas geändert werden ?
Veränderung beginnt nicht mit einer dramatischen Entscheidung. Sie beginnt mit einem ehrlichen Innehalten.
Mit Fragen wie:
- Was kostet mich hier eigentlich Energie?
- Wo halte ich mehr aus, als mir guttut?
- Wo mache ich mich selbst klein, obwohl ich es gar nicht müsste?
- Was würde sich verändern, wenn ich mich anders verhielte – nicht alles hinschmeisse, sondern anders stelle?
Diese Fragen brauchen Raum. Und jemanden, der sie mit dir sortiert, ohne dich sofort in eine Richtung zu schieben. Ohne eine fertige Antwort parat zu haben.
Manchmal ist die Kündigung wirklich der richtige Schritt. Manchmal ist es eine kleine Verschiebung in der Art, wie du dich zeigst. Manchmal ist es Klarheit über deine echten Grenzen statt der Grenzen, die du dir selbst setzt.
Aber das herauszufinden – das ist kein Luxus. Das ist Grundlage für jede echte Veränderung.
Vielleicht ist dieses Jahr nicht das Jahr der grossen Neuanfänge
Vielleicht ist der eigentliche Neujahrsvorsatz: Nicht alles besser machen zu wollen. Sondern genauer hinzuschauen.
Wenn du merkst, dass etwas in dir arbeitet, aber du noch nicht weisst, wohin das führen soll – wenn du spürst, dass du unzufrieden im Job bist, dir aber nicht klar ist, warum genau und wie es anders sein könnte – dann lohnt sich ein Kennenlernen.
Nicht, um dich zu überzeugen zu kündigen. Sondern um wirklich zu verstehen, was du brauchst.
Ein ruhiger Anfang. Ein Ort zum Sortieren. Zum Klarwerden. Bevor du Entscheidungen triffst, die aus Müdigkeit entstehen.
Lass uns kennenlernen – ohne Druck, ohne fertige Antworten. Nur ein ehrliches Gespräch darüber, was dir wirklich fehlt.
Vielleicht muss dieses Jahr nicht alles neu werden. Vielleicht reicht es, wenn es stimmiger wird.
Und manchmal beginnt genau dort, in dieser Stimmigkeit, echte Veränderung.

Und wenn du lieber hörst als liest …
Und falls du beim Lesen gemerkt hast: „Ja. Genau das ist es.“ – dann habe ich noch etwas für dich.
In meiner aktuellen Podcastfolge erzähle ich, wie sich diese Gedanken bei mir vor rund drei Jahren zum ersten Mal richtig laut gemeldet haben – und wie es dazu kam. Nicht als plötzlicher Knall. Eher als leises, hartnäckiges „So geht das nicht weiter“.
🎧 Hier geht’s zur Podcastfolge: Podcastfolge 16
Vielleicht ist das genau der Impuls, den du gerade brauchst: nicht als Anleitung – sondern als Erinnerung, dass du mit diesen Gedanken nicht allein bist.


