Du funktionierst NOCH. Und genau das ist das Problem.

Über Burnout-Prophylaxe und die stille Kunst vieler Frauen, sich selbst zu überhören – und warum das Umsteuern früher möglich ist, als du denkst.

Es ist vier Uhr morgens, und du bist wach. Wieder. Der Roman auf dem Nachttisch liegt seit Wochen aufgeschlagen auf Seite zwölf. Du bist gereizter, als es die Lage hergibt. Und wenn dich jemand fragt, wie es dir geht, hörst du dich sagen: „Gerade viel los. Das geht schon vorbei.“

Wen du hier beobachtest, das ist Simone, 43, Projektleiterin in einem Pharmaunternehmen, zwei Kinder, ein Mann, der viel unterwegs ist. Und er kennt jede dieser Stimmungen. Jeden ihrer Sätze. 

Sie hat sie mir auch alle aufgezählt, beiläufig, als berichte sie über das Wetter, und dann fast entschuldigend hinterhergeschoben: „Ach, das ist gerade eine intensive Phase. Das kenne ich, das geht wieder vorbei.“

Ich habe sie gefragt, wie viele intensive Phasen sie in den letzten zwei Jahren hatte. Sie fing an zu zählen und hörte nach der vierten wieder auf. Weil ihr auffiel, dass zwischen den Phasen nie richtig etwas anderes gewesen war.

Das Problem ist nicht, dass Frauen es nicht merken

Das Bemerkenswerte an Simone ist nicht, dass sie erschöpft ist. Es ist, dass sie es ganz genau weiss. Sie hat die Symptome längst benannt: das frühe Aufwachen, die Gereiztheit, den Roman, der seit Monaten auf Seite zwölf feststeckt. Sie sieht das alles. Sie handelt nur nicht danach.

Und damit ist sie alles andere als allein. In meinem Coaching ist Simone eher die Regel als die Ausnahme. Frauen gehören oft zu den Ersten, die die Warnsignale bemerken, und zu den Letzten, die sich erlauben, darauf zu reagieren.

Sie kennen ihren Körper, sie nehmen ihre Stimmung wahr, sie merken, wenn etwas kippt. Aber zwischen dem Merken und dem Handeln liegt eine grosse Kluft. Und genau in diese Kluft fällt die Prophylaxe. Denn Burnout entsteht selten über Nacht. Er kündigt sich monatelang an. Die Frage ist nie, ob die Signale da sind. Die Frage ist, warum so viele Frauen sie ignorieren.

Was das Vorbeischauen wirklich kostet

Bevor wir zum Warum kommen, lohnt ein nüchterner Blick auf die Auswirkungen. Denn Durchhalten fühlt sich an wie Stärke. Es kostet trotzdem etwas, an mehreren Stellen, und Frauen zahlen erkennbar mehr.

Der Job-Stress-Index, den Gesundheitsförderung Schweiz gemeinsam mit der Universität Bern und der ZHAW erhebt, zeigt es deutlich: Der Anteil der Erwerbstätigen, die sich emotional erschöpft fühlen, lag zuletzt bei über 30 Prozent, erstmals so hoch.

Und die Kurven laufen auseinander. Bei den Frauen stieg der Anteil der emotional Erschöpften von 20 Prozent im Jahr 2012 auf 25 Prozent zehn Jahre später. Bei den Männern blieb er nahezu unverändert bei rund 19 Prozent. Emotionale Erschöpfung ist dabei kein weicher Befund. Sie geht mit mehr Krankheitsabsenzen einher und erhöht das Risiko für einen späteren Burnout messbar.

Warum trifft es Frauen stärker?

Ein Teil der Antwort liegt ausserhalb des Büros. Nach Zahlen des Bundesamts für Statistik leisteten Frauen 2024 im Schnitt fast 35 Stunden unbezahlte Arbeit pro Woche, Männer knapp 23. Rechnet man bezahlte und unbezahlte Arbeit zusammen, kommen Frauen zwischen 25 und 64 auf gut 61 Wochenstunden Gesamtbelastung.

In Paarhaushalten mit einem Kind unter sieben Jahren steigt allein die Haus- und Familienarbeit der Mütter auf über 63 Stunden, während die Väter bei knapp 40 liegen. Die Erschöpfung im Job ist also oft nur die Spitze einer Belastung, die abends und am Wochenende einfach weiterläuft.

Und der medizinische Befund passt dazu: In Erhebungen zur Burnout-Betroffenheit liegen Frauen mit rund 5,2 Prozent höher als Männer mit 3,3 Prozent. 

Kein dramatischer Abstand auf dem Papier. Aber hinter jedem dieser Zehntelprozente steht eine Frau, die zu lange geglaubt hat, ihre Erschöpfung sei ein persönliches Versagen und keine vorhersehbare Folge.

Die Sätze, mit denen Frauen sich selbst überreden

Warum bremsen Frauen nicht, obwohl die Zahlen so eindeutig sind und sie die Signale selbst spüren? Frage ich nach, was sie trotz allem weitermachen lässt, kommen fast immer dieselben Überzeugungen zum Vorschein. Nicht bei jeder alle. Aber eine sitzt fast immer tief.

  • „Erschöpfung ist ein Beweis, kein Warnsignal.“ 
    Viele Frauen haben gelernt, dass Müdigkeit ein Zeichen von Fleiss ist. Wer abends leer ist, hat sich verdient gemacht. In dieser Logik wird der Körper, der um Pause bittet, zum Störenfried, den man diszipliniert. Eine Klientin, Ärztin, sagte einmal: „Wenn ich nicht erschöpft bin, habe ich das Gefühl, ich hätte nicht genug getan.“ Sie hörte sich diesen Satz selbst sagen und erschrak.
  • „Wenn ich jetzt ausfalle, fällt alles zusammen.“ 
    Dahinter steckt eine oft berechtigte Beobachtung: Vieles hängt tatsächlich an ihr. Der Mental Load zu Hause, das unsichtbare Kümmern im Team, die Erinnerung an den Geburtstag der Schwiegermutter. Nur wird aus der Beobachtung ein Gefängnis. Weil so viel an ihr hängt, darf sie nicht schwach werden, und genau deshalb wird sie es irgendwann ganz.
  • „Andere haben es viel härter.“ 
    Der leiseste dieser Sätze und vielleicht der gefährlichste. Er verbietet der eigenen Erschöpfung die Berechtigung, bevor sie überhaupt ernst genommen wird. Solange es jemanden gibt, dem es schlechter geht, ist der eigene Zustand kein Thema. Und es gibt immer jemanden, dem es schlechter geht.

Irgendwann fällt bei einer Klientin der Groschen: Diese Sätze haben sie nie beschützt. Sie haben sie nur davon abgehalten, rechtzeitig zu stoppen.

Wie Sarah einmal früher hinhörte

Sarah, 51, leitet die Kommunikation bei einem Energieversorger. Zu mir kam sie, nachdem eine gute Freundin nach einem Zusammenbruch monatelang ausgefallen war. Sie hatte Angst bekommen. Nicht vor der Arbeit, sondern vor sich selbst. In unserer Arbeit ging es nicht um eine grosse Kündigung oder einen radikalen Bruch. Es ging um etwas viel Unspektakuläreres: darum, ihre eigenen Frühwarnzeichen überhaupt ernst zu nehmen.

Wir haben zusammengetragen, woran sie erkennt, dass es kippt. Bei Sarah waren es drei Dinge. 

  1. Sie fing an, E-Mails dreimal zu lesen, ohne den Inhalt zu behalten. 
  2. Sie sagte soziale Termine reihenweise ab. 
  3. Und sie wurde zynisch, ausgerechnet über die Projekte, die ihr eigentlich wichtig waren. 

Das war ihr persönliches Frühwarnsystem. Nicht abstrakt, sondern konkret genug, um es an einem Dienstagmorgen zu bemerken.

Ich möchte die Geschichte nicht glatter machen, als sie war. Sarahs Mann fand das Ganze zunächst übertrieben. „Du funktionierst doch“, sagte er, „jeder ist mal müde.“ Und er hatte insofern recht, als Sarah tatsächlich noch funktionierte. Genau das war der Punkt. Sie wollte nicht warten, bis sie es nicht mehr tat.

Ein halbes Jahr später erzählte sie mir, dass sie zum ersten Mal seit Langem einen Termin im Kalender abgesagt hatte. Nicht wegen einer Krise, sondern weil ihr Frühwarnsystem angesprungen war. Kein Drama. Nur eine Frau, die zum ersten Mal auf sich selbst gehört hat, bevor der Körper lauter werden musste.

Kein Plan. Eine Frage.

Ich könnte dir jetzt eine Liste mit zehn Entspannungstechniken an die Hand geben. Ich tue es bewusst nicht. Von denen gibt es genug, und die meisten landen ungelesen in einem Ordner namens „später“.

Nimm stattdessen eine einzige Frage mit in deine Woche:

👉🏻 Welche drei Signale zeigt dir dein Körper, bevor es zu viel wird – und welches davon hast du diese Woche schon überhört?

Du musst dein Leben nicht umbauen. Es reicht, deine eigenen Vorboten zu kennen und ihnen einmal früher zu glauben als sonst. Prophylaxe ist keine grosse Geste. Sie ist der eine Moment, in dem du nicht sagst: „Das geht schon wieder vorbei.“

  • Dein Körper warnt dich lange, bevor er dich stoppt. 
  • Du bist nicht die Frau, die zusammenbricht. 
  • Du bist die Frau, die die Zeichen kennt – bleibt nur die Frage, ob du ihnen glaubst.

Erkennst du dich wieder? Dann lass uns sprechen. Im kostenlosen Erstgespräch schauen wir gemeinsam, wo du dich selbst überhörst – und wie du wieder rechtzeitig auf dich hörst, bevor der Körper laut werden muss.

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Barbara Hesse, Business Coach

Hey, ich bin Barbara!

Ich begleite dich dabei, deine innere Stärke nach aussen zu bringen – klar, authentisch und souverän.
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